Teudogar und das Bündnis mit Rom

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Römische Eroberung Germaniens

Im dichtbewaldeten Norden Europas lebten mehr Menschen, als durch die primitiven Ackerbautechniken ernährt werden konnten. Verständlich, daß die fruchtbaren Ackerböden und Weideländer des Südens und Westens eine große Anziehungskraft auf die Germanen ausübten: Sich diese Gebiete zu erkämpfen, war weitaus leichter und lohnender, als die eigenen Wälder in mühevoller Arbeit mit Eisenäxten zu roden.
Bis zum 1. Jh.v.Chr. hatten sich die germanischen Stämme immer weiter nach Westen und Süden ausgebreitet. Dabei verdrängten sie die Kelten bis zum Rhein und zur Donau, die nun die Grenzen zum keltischen Gallien (heutiges Frankreich) und zum keltischen Rätien (heutiges Süddeutschland und heutige Schweiz) bildeten.

Doch 58 v.Chr. eroberte Iulius Caesar, der Statthalter der römischen Provinz Südgallien, das restliche, bisher freie Gallien: Damit rückte das mächtige römische Reich erstmals in direkte Nachbarschaft zu Germanien, und der weiteren Ausbreitung und Landnahme der germanischen Stämme wurde Einhalt geboten. Caesar besiegte den germanischen Heerkönig Ariovist, der selbst versucht hatte, Gallien zu erobern; er schlug die germanischen Tenkterer zurück, die von Oberhessen aus den Rhein überschritten hatten; er ließ in 10 Tagen eine 400m breite Brücke über den Rhein bauen, zog ans germanische rechte Rheinufer, demonstrierte die Stärke seiner Heeresmacht, gewann die germanischen Ubier als Bündnispartner und zwang einige andere Stämme zum Friedenschluß.

38 v.Chr. siedelte Augustus' Feldherr Agrippa die mit Rom verbündeten, germanischen Ubier in einer neuen Stadt auf der linken Rheinseite an, um das römische Gallien gegen Überfälle aus dem freien Germanien zu sichern: Die spätere Colonia Agrippinensis, das spätere Köln, war gegründet.

Das reiche Gallien schien fest und sicher in römischer Hand zu sein. Die Gallier hatten schon vor der römischen Eroberung in Städten gelebt, und fingen an, sich an die römische Herrschaft zu gewöhnen.

Doch 16 v.Chr. unternahmen die germanischen Sigambrer, Usipeter und Tenkterer einen Raubzug nach Gallien, brachten dem römischen Statthalter Lollius eine schwere Niederlage bei, plünderten danach ungehindert das reiche Land, und kehrten schließlich beutebeladen in die Heimat zurück.

Kaiser Augustus hatte viele Kriege geführt, aber dies war die schwerste Niederlage, die seine Truppen bisher erlitten hatten (die Varusschlacht sollte erst viele Jahre später folgen). Diesmal war nur geplündert worden, doch angesichts solcher Angriffe mußte man fürchten, Gallien eines Tages zu verlieren, das den Römern mittlerweile mehr Steuern und Getreide lieferte als das sagenhaft reiche Ägypten. Um diese Gefahr auf Dauer zu bannen, mußte Germanien erobert werden - obwohl das Land selbst weder Städte noch Schätze noch Nahrungsüberschüsse bot.

Augustus zog an die Rheingrenze und bereitete persönlich die große Offensive vor. Zunächst sollte alles Land zwischen Alpen und Donau erobert werden; danach Germanien zugleich von Rhein, Donau, und - mit einer Flotte - von der Nordseeküste her angegriffen werden.

Schon im folgenden Jahr unterwarfen Augustus' Feldherren Drusus und Tiberius 50 keltische Stämme zwischen Alpen und Bodensee: Noricum (heutige Schweiz) und Rätien (heutige Schweiz plus südlichster Teil des heutigen Deutschlands) wurden römische Provinzen; die Donau war plangemäß erreicht. Als Provinzhauptstadt wurde eine Militärkolonie namens Augusta Vindelicorum gegründet (das spätere Augsburg).

Nun konnte die eigentliche Eroberung Germaniens eingeleitet werden (13 v.Chr.). Als Ausgangsbasis wurden entlang des Rheins 50 Legionslager angelegt und durch Heerstraßen verbunden. (Viele dieser Lager entwickelten sich im Lauf der Jahrhunderte zu Städten, u.a. Xanten, Bonn, Mainz.) Am Ufer des Rheins wurde eine beachtliche römische Flotte gebaut.

Kaiser Augustus ernannte seinen Adoptivsohn Drusus zum Statthalter Galliens, und gab ihm den Oberbefehl über die Truppen am Rhein, die Germanien erobern sollten, vermutlich 5 bis 6 Legionen, etwa 50.000 Mann. (Alexander der Große hatte einst mit weniger Soldaten alle Völker von Griechenland bis Indien unterworfen.) Tiberius wurde derweil nach Osten geschickt, um auch das heutige Südungarn bis zur Donau zu erobern. Der Kaiser selbst kehrte nach Rom zurück.

Drusus' erster Erfolg war, die germanischen Bataver als Bündnispartner zu gewinnen: Dieser Stamm siedelte an der Mündung des Rheins in die Nordsee (heutige Niederlande), und war wichtig, um der römischen Flotte freien Zugang zur Nordsee zu sichern. Drusus ließ seine Legionäre einen gewaltigen Kanal durch das Stammesgebiet der Bataver graben, vom Rhein zur Zuidersee (Ijsselmeer): Von dort aus konnte seine Rheinflotte sicher die germanische Küste der Nordsee erreichen, ohne den langen Umweg von der Rheinmündung aus riskieren zu müssen.

Während die Römer von Gallien aus den Krieg gegen Germanien vorbereiteten, waren die Gallier so erbittert über die römische Steuererhebung, daß scheinbar mehrere gallische Stämme bereit waren, einen Aufstand gegen die römische Herrschaft zu wagen. Die germanischen Sigambrer, die am gegenüberliegenden rechten Rheinufer siedelten, waren gerne bereit, den Galliern dafür Hilfe anzubieten (12 v.Chr.).

Doch Drusus hatte von diesen Plänen erfahren, und rief die gallischen Häuptlinge zu sich - unter dem Vorwand, ein Fest zu Ehren des göttlichen Augustus zu feiern. Ohne ihre Anführer wagten die Gallier nichts zu unternehmen. Wenig später schlug Drusus die germanischen Sigambrer und Usipeten zurück, als sie gerade dabei waren, mit ihrem Heer den Rhein zu überqueren, überquerte dann seinerseits den Rhein, und verwüstete ihre Stammesgebiete. Mit der Niederlage dieser unmittelbar am rechten Rheinufer siedelnden Germanenstämme war die Gefahr von Gallien abgewandt.

Unmittelbar darauf (Sommer 12 v.Chr.) brach Drusus mit seiner Flotte auf, erreichte über seinen Kanal die Nordsee, und segelte nun an der germanischen Nordseeküste entlang nach Osten. Die germanischen Friesen waren von seiner Flotte und seinem Heer so beeindruckt, daß sie sofort um Frieden baten. Drusus legte ihnen einen milden Tribut auf (sie mußten jährlich eine bestimmte Zahl von Rinderhäuten liefern), und akzeptierte sie als Bundesgenossen: Für den Rest des Feldzugs begleitete ein friesisches Heer am Ufer die langsam ostwärts weitersegelnde römische Flotte.

An der Mündung der Ems angelangt, war Drusus' Plan vermutlich, die dort siedelnden germanischen Chauken zu unterwerfen, dann mit seiner Flotte stromaufwärts der Ems nach Süden zu folgen, und dabei die an der Ems siedelnden Ampsivarier zu besiegen. Dann hätte er zu Fuß weiterziehen, und die zwischen Ems und Rhein siedelnden Brukterer bekämpfen können, und schließlich wieder die Sigambrer am Rhein, in deren Gebiet er den Feldzug begonnen hatte.

Doch seine Flotte lief bei Ebbe nahe der Emsmündung auf, und saß nun auf dem Trockenen fest. Wenn die Friesen den Römern nicht zu Hilfe gekommen wären, hätte die einsetzende Flut für Flotte und Heer eine Katastrophe werden können. Doch auch so scheinen die Römer erhebliche Verluste erlitten zu haben: Denn Drusus trat sofort den Rückzug an (ob mit den Resten seiner Flotte oder ob zu Fuß ist unklar), ohne auch nur eine einzige Schlacht gegen einen einzigen Stamm zu wagen, und kehrte für den Winter nach Rom zurück.

Inzwischen hatten die wichtigsten germanischen Stämme im Binnenland (die Sigambrer und die suebischen Stämme am Rhein, und die Cherusker an der Weser), ein Verteidigungsbündnis gegen die Römer geschlossen - und auch schon vertraglich die erhoffte Beute aufgeteilt: Die Cherusker hätten die Pferde bekommen sollen, die Sueben das Gold und Silber, und die Sigambrer den Hauptanteil, nämlich die Gefangenen, d.h. Sklaven.

Doch die germanischen Chatten (südlich der Sigambrer und Cherusker) hatten sich geweigert, diesem Bund beizutreten, und sich stattdessen mit den Römern verbündet. Die Römern teilten den Chatten als Belohnung neues Siedlungsland zu - Land, das vermutlich auch von den Sigambrern beansprucht wurde. Die Sigambrer erklärten den Chatten daraufhin den Krieg, und rückten mit ihrem gesamten Heer in ihr Gebiet ein (Frühjahr 11 v.Chr.).

Drusus war derweil nach Germanien zurückgekehrt, und handelte schnell, um diese Gelegenheit zu nutzen: Er überquerte den Rhein, bekriegte zunächst wieder die Usipeten, und unterwarf sie diesmal vollständig. Sofort danach zog er weiter, durch das unverteidigte Gebiet der Sigambrer hindurch nach Osten, gegen die Cherusker an der Weser.

Scheinbar gelang es den Cheruskern, diesem unerwarteten Angriff solange zu widerstehen, bis der Winter begann, und Drusus mangels Vorräten gezwungen war, umzukehren. Auf dem Rückweg hatten die Römer einige Verluste durch Überfälle und Hinterhalte. Sie hätten fast eine schwere Niederlage erlitten, als ihr Heer in einer engen Talschlucht eingeschlossen und angegriffen wurde. Aber die überlegene Disziplin und Ausrüstung der Legionäre ließ den germanischen Angriff scheitern.

Drusus errichtete ein befestigtes Legionslager im Grenzland zwischen den Stammesgebieten der Cherusker und der Sigambrer, um künftig beide Stämme an gemeinsamem Vorgehen zu hindern. Ein weiteres Lager errichtete er im Gebiet der mit Rom verbündeten Chatten, um sie vor Angriffen der Sigambrer zu schützen. Dann kehrte er nach Rom zurück - wo er von Kaiser Augustus mit einem Triumphzug geehrt wurde.

Doch schon im folgenden Jahr (10 v.Chr.) beschlossen die Chatten, das Bündnis mit den Römern zu kündigen. Es ist nicht bekannt, ob sie das aus Unzufriedenheit mit der römischen Herrschaft taten, oder aus Unzufriedenheit über ihr neues Siedlungsland, oder weil sie dem Druck ihrer Nachbarstämme nicht widerstehen konnten, oder einfach, weil bei ihnen andere Politiker an die Macht gekommen waren. Jedenfalls verließen die Chatten ihre neuen, von Rom zugeteilten Wohnsitze, kehrten in ihr altes Siedlungsland zurück, und schlossen sich nun dem Stammesbund der Sigambrer, Cherusker und Sueben an.

Entsprechend bestand Drusus' Arbeit in diesem Jahr (10 v.Chr.) darin, von Südwesten aus (Legionslager bei der heutigen Stadt Mainz) Krieg gegen die aufständischen Chatten zu führen, und ihr Stammesgebiet zu verwüsten. In blutigen Kämpfen unterwarf er alles Land, das er betrat - aber ohne den Widerstand des Stammes zu brechen.

Im Folgejahr (9 v.Chr.) brach Drusus erneut mit einem großen Heer vom heutigen Mainz aus auf, und zog wieder gegen die Chatten. Diesmal scheint er in einer größeren Schlacht einen entscheidenden Sieg errungen zu haben.

Damit war der Weg frei, auch gegen die weiter südöstlich siedelnden germanischen Sueben vorzugehen. Bei diesem Feldzug scheint Drusus die germanischen Markomannen geschlagen zu haben (und ihnen reichliche Beute abgenommen zu haben): Die Markomannen waren ein Teilstamm der germanischen Sueben, und siedelten in der Maingegend. Vermutlich wegen der Niederlage dieses Stammes wurde ein neuer Mann König der Markomannen: Marbod war in Rom erzogen und ausgebildet worden. Unter seiner Führung verließen die Markomannen einige Zeit später ihre Wohnsitze, zogen nach Osten, und besetzten das Land der keltischen Boier (Böhmen, heute Tschechien), wo sie vor dem römischen Einfluß vorerst sicher waren.

Drusus kämpfte derweil (immer noch 9 v.Chr.) gegen einige andere Teilstämme der Sueben (u.a. gegen die Hermunduren), und zog dann weiter nach Nordwesten, um erneut die Cherusker anzugreifen, die er wegen des Krieges gegen die Chatten anderthalb Jahre lang nicht hatte bekämpfen können. Auch hier scheint er allen Widerstand ziemlich leicht überwältigt zu haben, so daß er ihr Gebiet durchziehen und die Weser überqueren konnte.

Von dort aus zog er weiter ostwärts, und erreichte schließlich die Elbe. Kämpfend marschierten er und seine Truppen südwärts die Elbe entlang, vermutlich bis zur Saale, um von dort nach Westen, zu den Lagern am Rhein, zurückzukehren.

Doch auf diesem Rückweg stürzte Drusus mit seinem Pferd, brach sich den Schenkel, und starb nach einem Monat an Wundfieber, im Alter von nur 29 Jahren. Er war erfolgreich gewesen, beliebt bei den Römern, und begünstigt vom Kaiser: Wahrscheinlich wäre er später Augustus' Nachfolger geworden - und nicht sein düsterer Bruder Tiberius.








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