Teudogar und das Bündnis mit Rom

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Römische Herrschaft über Germanien

Nach dem Tod des siegreichen Feldherrn Drusus übernahm der 33jährige Tiberius die Fortführung des Krieges. Im Frühjahr 8 v.Chr. überquerte er mit einem großen Heer den Rhein.

Die Germanenstämme waren von den andauernden Kriegen der letzten Jahre zu geschwächt, um Widerstand leisten zu können: Seit vier Jahren waren sie jedes Jahr von überlegenen römischen Heeren angegriffen worden, waren regelmäßig ihre Siedlungen niedergebrannt und ihre Äcker verwüstet worden. Bei den zahllosen blutigen Schlachten und Scharmützeln im Laufe dieser vier Jahre hatten vermutlich alle Stämme einen erheblichen Teil ihrer kriegsfähigen Männer verloren.

Schon im vorigen Jahr war es den verbündeten Stämmen nicht gelungen, Drusus und sein Heer am Durchmarsch durch ihre Gebiete zu hindern. Dieses Jahr versprach, genauso erfolglos zu verlaufen. Es schien besser, sich jetzt zu ergeben - und nicht erst zu warten, bis man vollkommen besiegt und wehrlos wäre. Vermutlich aus diesen Überlegungen heraus baten alle germanischen Stämme durch Gesandte die Römer um Frieden.

Nur die Sigambrer hatten keine Gesandten geschickt. Kaiser Augustus erklärte, er werde mit keinem Germanenstamm Frieden schließen, wenn nicht auch die Sigambrer dem Vertrag beiträten. Unter dem Druck ihrer Nachbarstämme entsandten schließlich auch die Sigambrer eine große Zahl ihrer führenden Politiker, um einen Friedensvertrag auszuhandeln. In der für ihn typischen, pragmatisch-unheroischen, effizienten Art ließ Kaiser Augustus alle diese Männer einfach festnehmen, und als Geiseln in verschiedene römische Städte bringen (sie entzogen sich dieser Gefangenschaft durch Selbstmord).

Nun schlossen die Römer Friedensverträge mit allen germanischen Stämmen: Alle Stämme erkannten die römische Herrschaft an, und begannen, den Römern Hilfstruppen zu stellen und Tribut zu zahlen. Da anderer kein Stamm mehr Widerstand leistete, wäre für die Sigambrer eine Fortsetzung des Krieges völlig aussichtslos gewesen. Daher konnten die Römer diesen führerlosen Stamm - etwa 40.000 Menschen - einfach nach Gallien deportieren. Dort gab es genug römische Truppen, und niemanden, mit dem sich die Sigambrer gegen Rom hätten verbünden können: Damit stellte dieser Stamm keine Gefahr mehr dar.

Tiberius erhielt für diese vollkommen unblutige Eroberung den Imperatortitel, das Konsulat, und einen Triumphzug. Im folgenden Jahr (7 v.Chr.) schlug er nur noch hier und da kleinere Unruhen nieder - größere Gefechte mußte er nicht mehr führen, da die erschöpften germanischen Stämme den Frieden im wesentlichen einhielten, und die römische Herrschaft anerkannten. (Ein Jahr später zerstritt sich Tiberius jedoch mit seinem Stiefvater Kaiser Augustus, und legte das Kommando nieder.)

Das neueroberte Gebiet wurde mit Heerstraßen und befestigten Lagern gesichert. Zwar zog sich die römische Armee während des Winters immer noch in die Lager am linken Rheinufer zurück, doch während des gesamten Sommers waren alle strategisch wichtigen Teile Germaniens von Lagern mit römischen Soldaten besetzt.

Außer dieser Militärpräsenz richteten die Römer auch zahlreiche Märkte ein, und gründeten Handelsplätze: Allmählich begann ein umfangreicher friedlicher Warenaustausch zwischen dem römischen Reich und den Germanen, die diese Produkte nun nicht mehr auf dem Umweg über Gallien beziehen mußten. Diese Handelsplätze dürften viel dazu beigetragen haben, die Germanen mit Lebensweise, Sprache, Gesetzen und Bräuchen der Römer vertraut zu machen.

Außerdem mußten (und durften) zahllose germanische Männer in römischen Hilfstruppen Kriegsdienst leisten. Dafür erhielten sie gute Bezahlung und wertvolle Waffen, und lernten neben römischer Kriegskunst zwangsläufig auch die römische Sprache, römische Bräuche, und oft sogar andere Länder des römischen Weltreiches kennen: Viele germanische Adlige kamen nach Rom; manche erhielten sogar das römische Bürgerrecht. Eine treue und tapfere Schar germanischer Krieger aus dem Stamm der Bataver vertauschte ihre Lehmhütten mit dem Palast des Kaisers in Rom - dem sie fortan als Leibwache dienten. Andere Germanenkrieger kamen bis nach Palästina, als Leibwächter für den von Rom eingesetzten Tetrarchen Herodes, den König der Juden. Einige Jahre später mußten sicherlich viele Germanen für die Römer in Pannonien (heutiges Südungarn) kämpfen, als dort ein Aufstand gegen die römische Herrschaft ausbrach. Alle diese Männer erwarben zwangsläufig 'Romanitas' (römische Lebensart und Mentalität), und gaben nach ihrer Rückkehr zu ihren Stämmen sicher etwas davon an ihre Familien und Freunde weiter.

Auch weiterhin zog der römische Feldherr jeden Sommer mit seinem Heer durch die germanischen Stammesgebiete - aber nicht mehr, um zu erobern, sondern um Recht zu sprechen, Stammesstreitigkeiten zu schlichten, und die Verbündeten und Unterworfenen an die bleibende Macht Roms zu erinnern.

In Rom begnügte sich Kaiser Augustus mit der Bezeichnung 'erster Bürger' (Princeps), aber in den Provinzen ließ er sich als Gott verehren - angemessen für einen Mann, der tatsächlich so mächtig war wie ein Gott, dessen jeder Wunsch Gesetz war für über ein Drittel der Weltbevölkerung, und der hunderttausende von Soldaten in Bewegung setzen konnte, um jeden Widerstand zu brechen.
Auch in Germanien wurde ihm ein Tempel geweiht, in der neu gegründeten Römerstadt Köln, wo die Ubier angesiedelt worden waren. Germanische Adelige wurden Priester des göttlichen Kaisers, einige Jahre später z.B. der junge Segimundus (Siegmund) aus dem Stamm der Cherusker - ein Verwandter des Arminius.

Die Herrschaft der Römer war so allgemein anerkannt, daß Tiberius' Nachfolger Domitius dem germanischen Stamm der Hermunduren, die auf der Suche nach neuem Siedlungsland umherzogen, einfach befehlen konnte, sich im ehemaligen Stammesgebiet der Markomannen anzusiedeln - und daß dieser Befehlt prompt befolgt wurde. Außerdem schloß Domitius Freundschaftsverträge mit den germanischen Stämmen noch weiter östlich, jenseits der Elbe, über deren Gebiete Rom keine Herrschaft beanspruchte.

Ansonsten bestand die Arbeit des römischen Befehlshabers darin, die germanischen Adligen der verschiedenen Stämme zufrieden, abhängig, und gehorsam zu halten: Die Loyalität dieser Häuptlinge war die beste Garantie für die Friedlichkeit ihrer Stämme. Entsprechend waren die Römer auch bereit, diese Männer bei Streitigkeiten innerhalb ihrer Stämme zu unterstützen: Z.B. versuchte Domitus, einige vertriebene cheruskische Adlige wieder in ihren Stamm zurückzuführen - und vermutlich, sie wieder an die Macht über ihren Stamm zu bringen.

Daß dies mißlang, zeigt vielleicht, daß die römische Herrschaft über Germanien doch noch nicht so fest verankert war wie erhofft. Schließlich wagten 2 n.Chr. die Chauken und die Cherusker einen Aufstand. Dem römischen Befehlshaber Domitius gelang es in den folgenden zwei Jahren nicht, den Aufstand niederzuschlagen.

Daher erhielt 4 n.Chr. wieder Tiberius den Oberbefehl über Germanien, nachdem sich Kaiser Augustus mit ihm versöhnt und ihn offiziell adoptiert hatte. Mit Umsicht und Beharrlichkeit besiegte Tiberius 5 n.Chr. die Cherusker und 6 n.Chr. die Chauken.

Diese Aufstände waren lokal begrenzt geblieben - keine anderen Stämme hatten es gewagt, sich den Aufständischen anzuschließen. Die römische Herrschaft schien allgemein gesichert zu sein, und nun, wo der letzte Widerstand gebrochen war, konnte Germanien zu einer Provinz des römischen Reiches erklärt werden. Deren Zentrum war vermutlich das spätere Köln, vielleicht aber auch die kürzlich entdeckte Verwaltungs- und Handelsstadt bei Waldgirmes an der Lahn.

Den Soldaten folgten die Beamten: Ein römischer Statthalter hatte einen Stab von etwa 1000 Mann - 200 Beamten, zahllosen Hilfskräften, und eine berittene Garde von 500 Mann. Diese Provinzverwaltung sollte Steuern erheben und Wehrpflichtige einziehen, je nachdem, ob ein Stamm unterworfen oder verbündet, militärdienstpflichtig oder abgabenbefreit war (die Friesen mußten als 'Steuern' z.B. Rinderhäute liefern, die Bataver nur Kriegsdienst leisten). Zugleich bemühten sich die Beamten aber auch, die Barbaren zur städtischen Selbstverwaltung hinzuführen und einheimische Hilfskräfte auszubilden.

Die Legionen blieben natürlich im Land: Nach wie vor waren etwa 50.000 Soldaten stationiert, die nun auch in der neuen Provinz überwinterten.

Einzig die germanischen Markomannen hätten den Römern gefährlich werden können: Vor einigen Jahren (9 v.Chr.) waren sie vor den Truppen des Drusus geflohen, nun siedelten sie jenseits von Elbe und Donau, als Nachbarn des römisch beherrschten Germaniens.
Ihr König Marbod hatte eine gewaltige Armee von angeblich 70.000 Mann aufgestellt und mehrere Nachbarstämme unterworfen. Mit Rom hielt er Frieden, doch sein Königreich erschien den Römern als andauernde Bedrohung, so daß sie 6 n.Chr. bis zu 100.000 Legionäre in Bewegung setzten, um sein Reich zu erobern und zu zerschlagen. Doch der Angriff mußte abgebrochen werden:

Denn die Völker im heutigen Südungarn und Yugoslawien erhoben sich gegen die römische Herrschaft: Bis zu 200.000 Feinde der Römer standen unter Waffen - eine gewaltige Gefahr sogar für Italien und die Hauptstadt Rom selbst. Augustus befahl, eilig Frieden mit Marbod zu schließen, und schickte alle verfügbaren Legionen in die aufständischen Provinzen, wo sie mehrere Jahre brauchten, den Aufstand niederzuschlagen.

Trotz der günstigen Gelegenheit für einen eigenen Aufstand hielten die geschwächten Germanen Ruhe: Die römische Herrschaft zwischen Rhein und Elbe bestand ungestört weiter. Auch das benachbarte markomannische Königreich des Marbod hielt weiterhin Frieden. Germanien schien auf dem besten Weg, sich zu einer friedlichen römischen Provinz wie Gallien zu entwickeln.








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